Deutschland WM 2026: Hat das Team wieder eine Mannschaft?
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Hat Deutschland wieder eine Mannschaft?

WM 2026 – die Datenanalyse zu Kimmich, dem messbaren Wir-Gefühl und dem Weg durchs Turnier.

Analyse • Deutschland • WM 2026
Kimmich
99
Pässe pro 90 Min. – Hoechster Wert aller Bundesliga-Sechser
Wartezeit
12
Jahre ohne WM-K.o.-Sieg – der letzte war das Finale 2014
Gruppe E
78%
Wahrscheinlichkeit Gruppensieger laut Modell
Achtelfinale
46%
Chance auf das Duell mit Frankreich – fast fifty-fifty

2014 hat Deutschland zum letzten Mal eine WM gewonnen. Was danach kam: 2018 und 2022 jeweils das Aus in der Gruppenphase, in zwölf Jahren kein einziges gewonnenes K.o.-Spiel. Erst die EM 2024 fühlte sich wieder anders an – das Gefühl, das über Jahre gefehlt hatte, war plötzlich zurueck.

Das Entscheidende dabei: Gute Spieler hatte Deutschland auch 2018. Das war nie das Problem. Weg war die Verbindung auf dem Platz – das, was Nagelsmann das Wir-Gefühl nennt. Und Weltmeister, sagt er, wird oft die Mannschaft mit der stärksten Verbindung zwischen ihren Spielern.

Die Frage zur WM 2026 liegt also nicht im Kader, sondern darin, ob diese Spieler wieder wie Deutschland spielen. Diese Analyse schaut auf den Mann, der den Aufbau kontrolliert – und versucht danach, das Wir-Gefühl tatsächlich zu messen.

Das Dashboard

Zwei Charts, eine Frage: Wer trägt das deutsche Spiel – und lässt sich Mannschaftsgefühl überhaupt in Zahlen fassen?

Chart 01 • Top-5-Ligen

Kimmich kontrolliert den Aufbau

Pässe pro 90 Minuten (X) gegen Pässe ins letzte Drittel pro 90 Minuten (Y). Jeder Punkt ein Feldspieler aus den fünf Top-Ligen.
How to read: Je weiter rechts, desto mehr Ballkontakt; je weiter oben, desto mehr davon geht nach vorne. Kimmich liegt rechts oben allein – fast 99 Pässe pro 90, davon 33 ins letzte Drittel. Als Sechser bringt er fast so viele Baelle nach vorne wie Wirtz als Zehner.

Kimmich kommt also nicht nur unglaublich viel an den Ball – er bringt ihn auch nach vorne. Zum Vergleich: Musiala kommt auf 36 Pässe pro 90, davon 19 ins letzte Drittel. Wirtz auf 51, davon 26 nach vorne. Der Sechser hat fast genauso viele Vorwärtspässe wie der Zehner. Das ist der Spieler, der Deutschlands Aufbau kontrolliert.

Aber ein einzelner Spieler erklaert noch keine Mannschaft. Das Gefühl, das alle bei der EM 2024 gespuert haben – lässt sich sowas eigentlich auch messen? Die Antwort liegt in zwei Zahlen.

Chart 02 • Turniervergleich

Das Wir-Gefühl – in Zahlen

Passnetz-Abhängigkeit (X) gegen Strafraumkontakte pro Schuss (Y). Vier deutsche Turniere im Vergleich.
Links = breit verteiltes Passspiel
Unten = direkte Gefahr im Strafraum
▼ Ideal: unten links
How to read: 2014 sitzt unten links – breites Passnetz, direkte Gefahr. 2018 und 2022 rutschen nach oben rechts: alles läuft über dieselben Duos, im Strafraum braucht es zu viele Kontakte. 2024 zieht klar zurueck Richtung 2014. Die Richtung stimmt – fehlt nur der letzte Schritt.

Der Weg ist klar

Du hast einen 40-jaehrigen Torwart, der als Einziger im Kader noch weiß, wie sich ein WM-Sommer anfühlt. Einen Kapitän, der seit zwölf Jahren auf diesen Moment hinarbeitet und zum ersten Mal einen Kader hat, der wirklich funktioniert. Einen Angreifer, der nach seiner schwersten Verletzung zurueck ist – und einen Wirtz, der sich bewusst den Druck von Liverpool ausgesucht hat, weil er weiß, dass er daran wächst.

Und einen Trainer, der verstanden hat, dass Weltmeister keine Einzelspieler brauchen, sondern eine Mannschaft. Frankreich bleibt im Achtelfinale der wahrscheinlichste und schwerste Gegner – mehr Talent wird Deutschland dort nie haben. Aber WM-K.o.-Spiele funktionieren anders als Vereinsfussball: ein Spiel, ein Abend, alles oder nichts.

Das Gefühl ist zurueck. Der Kader ist da. Der Weg ist klar. Jetzt muss Deutschland nur wieder wie Deutschland sein.

DeutschlandWM 2026Joshua KimmichJulian NagelsmannManuel NeuerJamal MusialaFlorian WirtzDFB

Häufige Fragen

Warum ist Joshua Kimmich so wichtig für Deutschlands Spiel?
Kimmich kommt auf fast 99 Pässe pro 90 Minuten – der höchste Wert aller defensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga. Entscheidend ist die zweite Zahl: über 33 dieser Pässe gehen ins letzte Drittel. Er bekommt also nicht nur extrem viel Ballkontakt, er bringt den Ball auch nach vorne – als Sechser fast so oft wie Florian Wirtz als Zehner. Damit kontrolliert er den gesamten deutschen Aufbau.
Was war 2018 das eigentliche Problem?
Nicht der Kader – der war fast identisch mit dem Weltmeister-Team von 2014. Weg war das Mannschaftsgefühl. Das Spiel wurde vorhersehbar: Der Ball lief immer durch dieselben zwei, drei Verbindungen, im selben Rhythmus. Statt vieler eingebundener Spieler stand der große Teil der Mannschaft nur herum.
Wie stehen Deutschlands Chancen in der WM-Gruppe 2026?
Deutschland trifft in Gruppe E auf Ecuador (FIFA-Rang 23), die Elfenbeinküste (34) und Curaçao (82). Auf dem Papier eine machbare Gruppe – unser Modell sieht Deutschland mit rund 78% als Gruppensieger. Nicht garantiert, aber eine gute Ausgangslage.
Trifft Deutschland im Achtelfinale auf Frankreich?
Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 46% – also fast fifty-fifty. Frankreich gilt mit etwa 88% als sicherer Sieger der Gruppe I; wird auch Deutschland Erster, treffen beide genau im Achtelfinale aufeinander. Frankreich steht auf FIFA-Rang 1 und ist der klare Favorit – aber ein einzelnes K.o.-Spiel folgt eigenen Regeln.
Kann man Mannschaftsgefühl überhaupt messen?
Teilweise, ja. Zwei Kennzahlen helfen: die Passnetz-Abhängigkeit (wie viel Prozent aller Pässe durch die fünf häufigsten Verbindungen laufen) und die Strafraumkontakte pro Schuss (wie direkt die Gefahr entsteht). Eine gut funktionierende Mannschaft landet unten links. 2014 lag genau dort, 2018 und 2022 weit oben rechts – und 2024 zieht klar zurueck in die richtige Richtung.

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