Premier League Analyse • 2025/26

Der Lehrer und der Schüler: Vier Jahre Arsenal gegen Pep — und warum es immer gleich endet

Arteta hat alles gelernt, was Guardiola ihm beibringen konnte. Trotzdem verliert er seit vier Saisons im Frühjahr. Die Zahlen erklären warum.

⚽ Premier League 📊 5 interaktive Charts April 2026
Arsenal letzten 10 Spiele (25/26)
20
Punkte — 4 aus Führungen verloren
City letzten 10 Spiele (25/26)
24
Punkte — 3 aus Rückständen geholt
Arsenal: Führungspunkte verloren
4
Saisons in Folge mit diesem Muster
City: Comeback-Punkte
3
Identisch in 3 aufeinanderfolgenden Saisons

Kennst du dieses Gefühl, wenn du weißt, was als nächstes passiert — und es trotzdem passiert? Arsenal-Fans kennen es. Jedes Jahr wieder. Ein bisschen Hoffnung im Herbst, ein bisschen mehr im Winter. Und dann kommt der Frühling. Und mit ihm kommt immer dasselbe: ein paar Punkte liegengelassen, ein Spiel, das kippt, eine Schlagzeile, die sich anfühlt wie ein Messer.

Von Juli 2016 bis Dezember 2019 war Mikel Arteta Peps Co-Trainer. Dreieinhalb Jahre in Manchester. Zwei Premier-League-Titel, Seite an Seite. Pep wollte ihn als Nachfolger aufbauen. Arteta war nicht irgendein Assistent — er war der Mann, der neben Guardiola stand, wenn City gegen jede andere Mannschaft der Liga gewann. Und seitdem versucht der Schüler, den Lehrer zu schlagen. Vier Saisons lang. Mit demselben Ergebnis.

Die Daten der letzten zehn Spieltage pro Saison erzählen diese Geschichte klarer als jede Schlagzeile. Zwei Linien. Die eine schwankt brutal. Die andere bleibt flach. Das ist die strukturelle Wahrheit dieser Rivalität.

↓ Datenanalyse — 5 Charts
Chart 01 • Premier League — Arsenal
Arsenals Endspurt: Kumulierte Punkte letzte 10 Spieltage
Wie viele Punkte Arsenal in den entscheidenden Wochen pro Saison geholt hat — und wie viele aus Führungen verloren gingen.

Was diese Kurven zeigen: 2022/23 der Einbruch — Arsenal endet nach 10 Spielen bei 15 Punkten, 4 aus Führungen verschenkt. 2023/24 die Gegendarstellung — 25 Punkte, null weggeworfene Führungen. Und trotzdem reicht es nicht. Denn auf der anderen Seite steht dieselbe Maschine.

Chart 02 • Premier League — Manchester City
Citys Endspurt: Kumulierte Punkte letzte 10 Spieltage
Manchester City zeigt eine bemerkenswerte Konstanz im Saisonfinale — vier Saisons, immer im gleichen Korridor.

Drei Comeback-Punkte pro Saison — gegen Liverpool, Crystal Palace, Crystal Palace (23/24), Liverpool (25/26). City holt in diesen Wochen jedes Jahr exakt dieselbe Zahl an Punkten zurück, die andere liegen lassen würden. Nicht spektakulär. Nur verlässlich.

Chart 03 • Premier League — Alle Teams
Abschlusstabelle: Punkte der letzten 10 Spieltage 2024/25
Wie die gesamte Premier League in der Schlussphase 24/25 aufgestellt war — City und Arsenal im direkten Vergleich.

Der Vergleich über alle Teams zeigt: Arsenal ist keineswegs ein Mittelmaß im Endspurt. In 23/24 waren sie sogar das zweitbeste Team der Liga in diesen zehn Spielen. Doch City war in drei von vier Saisons besser — und das einzige Mal, als es knapp war (25 vs. 28 in 23/24), reichte es trotzdem nicht für den Titel.

Chart 04 • Premier League — Titelrennen
Tabellenstand auf Spieltag 29 — Arsenal & City im Vergleich
Was der Ausgangspunkt war, bevor der Endspurt begann. In 22/23: Arsenal 5 Punkte vorn. In 23/24: gleichauf im Trio. In 24/25: Arsenal zurück.

22/23 war das Jahr, das alles geprägt hat. Arsenal führte mit fünf Punkten — und verlor am Ende um fünf Punkte. Nicht weil City aufgeholt hatte. Sondern weil Arsenal weggebrochen ist. Liverpool–2:2, West Ham–2:2, Southampton–3:3. In drei Spielen vier Punkte aus Führungen verschenkt. Das ist kein Pech. Das ist Kollaps.

Chart 05 • Premier League — Schlüssel-Statistik
Verlorene vs. geholte Punkte: Die zwei Linien dieser Rivalität
Arsenal: aus Führungen verlorene Punkte im Endspurt. City: aus Rückständen geholte Punkte im Endspurt. Vier Saisons im direkten Vergleich.

Das ist die härtere Version der Geschichte, die sonst niemand erzählt. Arteta hat nicht gebottlet. Arsenal hat es nicht jedes Jahr verbockt. Sie haben in vier aufeinanderfolgenden Titelrennen getan, was sie konnten — manchmal mehr, manchmal weniger, aber nie wenig genug, um einen Meister einer normalen Ära zu enttäuschen.

Das Problem ist nur, dass sie in keiner normalen Ära spielen. Sie spielen gegen den Trainer, bei dem Arteta gelernt hat zu gewinnen. Und der Lehrer hat eine höhere Decke als sein bester Schüler. City holt in diesen Wochen jedes Jahr dieselben Punkte zurück, die Arsenal liegen lässt. Nicht spektakulär. Nur verlässlich. Und das ist in einem Titelrennen das Grausamste, was einem passieren kann.

Arsenal hatte nie genug. Nicht weil sie schwach waren — sondern weil auf der anderen Seite jemand stand, den Arteta besser kennt als irgendjemand sonst. Und den er trotzdem nicht schlagen kann.

Die Liga ist mathematisch offen. Ein City-Patzer reicht. Aber darauf zu hoffen heißt, auf etwas zu warten, was in vier Saisons nicht passiert ist. Zwei Linien. Die eine schwankt. Die andere bleibt flach. Das ist diese Rivalität in Zahlen.

Tags: Arsenal Manchester City Premier League Mikel Arteta Pep Guardiola Titelrennen 2025/26 Datenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Es ist keine einfache Schwäche — es ist eine strukturelle Asymmetrie. Arsenal verliert in den entscheidenden letzten 10 Spielen jedes Jahr Punkte aus Führungspositionen, während City verlässlich Punkte aus Rückständen zurückholt. In vier Saisons war diese Differenz konstant: Arsenal schwankt zwischen 4 und 9 verlorenen Führungspunkten, City bleibt immer bei genau 3 Comeback-Punkten.
Die Saison 2022/23 bleibt der Kollaps, der alles geprägt hat. Arsenal führte auf Spieltag 29 mit fünf Punkten vor City. Dann folgten drei Spiele, in denen Arsenal jeweils vorne lag und den Vorsprung nicht über die Linie brachte: Liverpool 2:2, West Ham 2:2, Southampton 3:3. Vier Punkte aus Führungen in drei Spielen verschenkt. Am Ende lagen sie fünf Punkte hinter City — eine Umkehrung von +5 auf -5 in wenigen Wochen.
In 2023/24 kam Arsenal am nächsten: 25 Punkte aus den letzten 10 Spielen, null verlorene Führungen. Das war Arsenals bester Endspurt dieser Ära. City holte in dieser Saison 28 Punkte — 2,8 pro Spiel. Arsenal verlor trotzdem um zwei Punkte. Die bittere Lehre: Selbst ein nahezu fehlerloser Arsenal-Endspurt reichte nicht, um das damalige City zu überholen.
Von 2016 bis 2019 war Arteta Co-Trainer bei City und gewann zwei Premier-League-Titel an Guardiolas Seite. Er kennt die Mechanismen dieser Mannschaft besser als jeder andere Gegner. Das macht das Scheitern besonders komplex: Arteta weiß, wie City in der Schlussphase trainiert und taktisch agiert — und kann es dennoch nicht kontern. Es ist der Schüler, der den Lehrer vollständig versteht, aber dessen Niveau nicht replizieren kann.
Mathematisch ist die Liga 2025/26 offen. Arsenal bräuchte einen City-Einbruch — etwas, das in vier Saisons nie passiert ist. Gleichzeitig müsste Arsenal die Führungspunkte halten, die in den letzten Wochen wieder verloren gingen (Brentford, Wolves). Das Szenario ist möglich. Aber es erfordert, dass City von seinem strukturellen Muster abweicht. Und diese Abweichung hat man seit 2022 nicht gesehen.

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